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BLEIBE DER WOLKE NAH
AUFSCHLÜSSE
Dr. Klaus Schulz INNERE GESPRÄCHE Beten heißt, das Leben in die Sprache retten! hat der bekannte Theologe und Autor vieler Bücher zur Spiritualität, Fulbert Steffensky, einmal geschrie- ben. Mit Worten das Leben retten, so könnte man auch die Sammlung von "Wort-Skizzen" von Schwester Christamaria Schröter aus der Commu- nität der Christusbruderschaft in Selbitz beschrei- ben. Es sind 149 kleine poetische Texte, die von der Autorin im Vorwort als "Momentaufnahmen, spontane Reflexe ... Auseinandersetzungen und Prozesse" charakterisiert werden. Ein knappes Drittel dieser Texte sind Meditationen biblischer Texte, in denen Bezüge zum Ersten Testament, insbesondere zu den Psalmen, überwiegen. Was von unserem inneren Leben im Alltag einfach verbraucht würde, in diesen kleinen Texten wird es "gerettet" in die Sprache der Seele. So kann sich der Leser leicht mit dem Ich der Texte identifizie- ren. Er kann auch zur Probe seine Erfahrungen in ein Gespräch bringen mit dem angeredeten Du. Dieses "Du" lässt sich unschwer erkennen als die zugewandte Seite Gottes, als der "Christus in uns": "In deiner Blutbahn bin ich zuhause ...". Was in diesem Gespräch fremder "Eigenerfahrun- gen" geschieht, will ich nicht vorwegnehmen, aber andeuten: Integration dessen, was sich dem schnellen Zugriff und Verstehen in unserem Leben widersetzt. Was nicht begriffen, aber besprochen werden will, wird gerettet aus dem Verdrängen in nihilistische Verständnislosigkeit, und auch geret- tet aus dem Zugriff des reibungslos funktionieren- den Alltags, der keinen Platz hat für das Wunder- bare, für die nicht heilenden Wunden, für das Unbegreifliche.
"Kann ein Mund Wurzeln schlagen? |
GLAUBEN leben
Monika Sophia Brunst OP Bleibe der Wolke nah Zum Tagesrückblick benutze ich zur Zeit ein hand- liches kleines Meditationsbuch von Schwester Christamaria Schröter. Die evangelische Ordensfrau aus der Christusbruderschaft von Selbitz tönt Stim- mungen und Gefühle an. Sie spiegeln Tagesreste wider und fassen menschlich allgemeingültige Situationen ins Wort. "Unruhige Nacht" beschreibt zum Beispiel die Schlaflosigkeit, die Sorge und Angst, die einen Menschen ergreifen, wenn die Eindrücke des Tages ihn oder sie überfluten. Ein Schriftwort führt heraus aus der Situation, gibt Trost und den Impuls, die Lage mit anderen Augen anzusehen. Mit den Augen Gottes. "Zwischen uns" beschreibt Gebirge von Missver- ständnissen zwischen Menschen, auch dies eine fast alltägliche Erfahrung. Auch hier gibt die Wendung zu Gott den Anstoß, den Konflikt anzugehen. Schwester Christamaria findet durch ihre Wort- schöpfungen Bilder, die die Seele berühren. Wenn sie ein Kapitel "Die Quellen liegen stromabwärts" nennt, so lässt diese Überschrift innehalten und verhilft dazu, die Gedanken fließen zu lassen. In vielen kleinen Meditationen fängt die Dichterin menschliche Situationen ein und verbindet sie mit biblischen Anspielungen. Kurze Schriftzitate oder verwandte Wendungen lassen tiefen Glauben durchschimmern. Dabei wirkt ihre Sprache nie auf- fordernd, eher zurückhaltend und gerade dadurch einladend. Manche Meditationen eignen sich dazu, vorgelesen zu werden. Andere sind in sich so verschlossen, dass man sie mehrmals lesen und sich den Anspie- lungen langsam nähern, und sie erst dann "auf der Zunge zergehen" lassen sollte. "Bleibe der Wolke nah" ist auf jeden Fall eine Sammlung von Medita- tionen, die sich wohltuend von der breiten Masse abhebt. |