Leseprobe

Christamaria Schröter
WO IST MEINE ZIEGE?   ICH WILL MIT IHR STREITEN

 

Seite 6:

 

Laß die Kinder zu Mir kommen
 

Es wird eng
Zu lange waren deine Kinder
auf fremden Äckern
mußten sich einspannen lassen
und Schritt halten

Jetzt bringe sie weg
Laß die Kinder
einfach spielen und plappern
nach Herzenslust     Laß sie reden
reden
und falle ihnen nicht ins Wort

 

Seite 12 bis 16:

 

Zu neuen Perspektiven
 

Meine Papiere sind liniert
ich kann gar nicht tanzen
das Einmaleins vieler Augen
höhnt mich     o weh
ich errate es nicht
und vom Wissen ist keine Spur

Ich möchte den Linien einen Stoß geben –
sie würden sich verschieben
zu neuen Perspektiven

Eine Handvoll Zahlen schleuderte ich
in die Luft
Was der Wind tut –
Ich würde es sehen

Vielleicht könnte ich dann
einen Zaun bauen um ein Nest
oder um ein Häuschen

darin ließe sich wohnen

Die Ordnung wäre lebendig:
ein Baum könnte Blätter haben
und lachen mit allen Vögeln
auf seinen Zweigen

Nichts wäre gerade
und das Weiße –: kein Friedhof
für lustige Gedanken

Es gäbe keine Langweiligkeiten
zum Frühstück
davon gibt es nur noch Bücher
Man muß sie nicht lesen

Ach könnte ich allen Linien
einen Tritt geben
die Papiere wären frei:

ein Gedicht käme geflogen
dreizeilig zwitschernd
und ein Farbklecks
säße ganz unverschämt dick
auf der Mitte
und dirigierte kleinere Kleckse

 

Das wäre es –
so oder so könnte sich vieles verändern

ich würde spielen     immerzu
spielen

 
ich würde da sein …  

 
© Christamaria Schröter
Christusbruderschaft Selbitz — Buch- & Kunstverlag
 

 
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