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8 Sätze des Bekennens heute
1. |
Gott ist kein Prinzip oder die Idee des Guten, sondern eine Person,
das große göttliche „Du“ uns gegenüber, ein ER, kein ES, nicht nur
ein höheres Wesen, sondern der allmächtige Gott, der in Heiligkeit
und Barmherzigkeit mit uns umgeht. Sein eigentliches Geheimnis
ist seine Ansprechbarkeit. |
2. |
Jesus hat in seinem Sterben nicht nur das 1. Gebot erfüllt – das hat
er Gott sei Dank! auch getan – sondern er hat in Verantwortung für
uns stellvertretend unsere Existenz vertreten. Das ist keine überholte
jüdische Vorstellung, sondern Herz- und Quellpunkt unserer Glaubens-
existenz. Aus dieser Existenzvertretung lebt und erbaut sich unser
Glaube. |
3. |
Die christliche Botschaft muss freilich jeder Generation neu ver-
dolmetscht und in ihr Denken übersetzt werden, aber sie tritt jedem
menschlichen Selbstverständnis und Zeitgeist auch kritisch gegen-
über. Dieser Konfrontation dürfen wir nicht ausweichen. Synthese und
Diastase müssen in gleicher Weise betont werden. Die Vorschaltung
einer Weltanschauung, einer soziologischen Schau oder psychologi-
scher Erkenntnisse als Filter vor das Evangelium verdirbt es. |
4. |
In Weltdingen wissen wir vielleicht in vieler Hinsicht besser Bescheid
als die Apostel und Propheten, aber in Fragen des Glaubens sind
und bleiben sie weiterhin die „Fachleute“ für uns. Wir haben uns zu
ihren Füßen zu setzen und ihnen nicht hochnäsig über die Schultern
zu schauen und ihnen arrogant Zensuren zu erteilen. |
5. |
Wir haben nicht zu einem Existentialismus Heidegger’scher oder
Sartre’scher Prägung zu rufen, nicht zu irgendeiner Glaubenshaltung,
sondern zu einem Existential, das im Sterben und Leben mit Jesus
besteht und zu einem Glauben, der an der Person Christi orientiert ist
und von Christus geträgert ist. |
6. |
Wir visieren den mündig gewordenen Jesusjünger an (Epheser 4,13),
nicht den mündig gewordenen Protestanten im parlamentarisch-
demokratischen Sinn, den ganz und gar von Christus abhängigen
Menschen, nicht den aufgeklärt-liberalen, unabhängigen Protestanten
des 20. Jahrhunderts.
Von der Gemeinde Jesu meinen wir, dass sie zu einer Bruderschaft
um Christus hin tendiert, nicht zu einer demokratischen Versammlung
von Protestanten guten Willens. |
7. |
Es geht auch uns um den Menschen unserer Tage und um die
Solidarität mit ihm, aber es geht uns zuletzt um seine Bekehrung
und Hinwendung zu Jesus. Weil das Böse eine Macht in dieser
Welt ist, ja „die Welt im Argen liegt“, geht es nicht nur um eine
Präsenztheologie, sondern auch um eine Bekehrungstheologie.
Die Kirche hat für die Welt die Aufgabe des helfenden Arztes:
„Was hilft es dem Kranken, wenn der Arzt zu ihm kommt und
sich aus Solidarität mit ihm ins Bett legt. …“ (Giesen) |
8. |
Jawohl: Die Welt soll humaner werden. Aber alle Humanität wird
in dieser Welt etwas Unvollkommenes und Vorläufiges bleiben.
Ja: Die Erde soll verbessert werden, aber sie wird von uns nicht
zum Reiche Gottes gemacht werden können. Wir tun das Letzte
für diese Welt, aber warten nüchtern und in Glaubenszuversicht
doch eines neuen Himmels und einer neuen Erde, welche erst
die endgültig hereinbrechende Christusherrschaft bringen wird. |
Diese Sätze wollen etwas den Nebel vom geistlichen Gelände wegblasen.
Die Posaune der kirchlichen Verkündigung soll ihren klaren Ton behalten.
Sie wollen zur Sammlung rufen:
Her zum Evangelium und zu seiner Botschaft, wer dem Herrn angehört.
Walter Hümmer (1909 – 1972)
Gründer der Communität Christusbruderschaft Selbitz
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