Hanna Hümmer
LASS LEUCHTEN MIR DEIN ANGESICHT

 

Vom Beten

 

Beten ist Mühelosigkeit und Freude.
Du sollst dich freuen in Gott
und nicht seufzen,
als ob du eine schwere Arbeit
verrichten müsstest.

Beten ist das Jauchzen der Seele in Gott,
das Reden und Singen,
das Weinen des Kindes im Schoße der Mutter,
das Jubeln und Seligsein
in der Einheit des Geistes.

Du darfst sprechen und singen,
weinen und jauchzen,
in welcher Sprache du es vermagst.
Das Lallen ist selige Sprache des Kindes.
Es ist besser als krampfhaft geformtes,
feierlich gesprochenes Gebet.

Gott will keine strengen Formen.
Wenn sie dir aber eine Hilfe sind,
sind sie in Wahrheit Liturgie,
und es bedarf oft solch feiner Ordnung.
Wo aber das Feiern und Ruhen begonnen hat,
da lasse ihm Raum!
Er ist ein besserer Zuchtmeister
als alle Ordnungen der Menschen.

Wir sind Lügner,
wenn wir die Arbeit unserer Tage
wie eine Wand benützen,
die uns von der Möglichkeit des Betens trennt.
Wir berauben uns selbst der höchsten Freude,
alles Gott zu sagen.

Wie sich die Bäume im Winde wiegen,
wie sie ihr Singen zueinander tragen,
bis es zum großen Rauschen wird,
also singe und rausche dein Loblied,
deine Angst, dein Weinen vor Gott
mit allen, die eines Sinnes sind.

Beten ist Einfalt und höchste Einheit,
ist höchste Zucht und größte Freiheit.
Beten ist Erlösung vom Ich,
indem du im Ewigen zur Ruhe kommst.
Beten ist feierndes Einssein mit Gott,
tiefstes Ruhen und höchstes Wirken.

 

© Christusbruderschaft Selbitz
           – Buch- & Kunstverlag –

 
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