Leseprobe

Christamaria Schröter
ES WIRD EIN TAG SEIN

 

Seite 11:
 

Aber der Engel des Herrn tat in der Nacht
die Türen des Gefängnisses auf ...
Apostelgeschichte 5, 19-20

 

Der Engel –
er öffnet die Türen in mir,
die heillos verschlossenen.
Seine Schlüssel sind Liebe und finden die Angst.
In der Nacht, wenn ich nicht weiß, wo ich bin,
abwesend von mir
in der Traurigkeit meines Traums,
kommt er, schließt auf.
Türen fallen auseinander
wie Blütenkelche am Morgen.
Sie geben frei das in Angst Gebundene,
das Schlafende, sich selbst nicht Bekannte.
Sie geben frei das Gesicht, die Hände, die Füße –
den Umriss des Lebens.
Herausgeführt-Werden trotz aufgetaner Tür
ist Barmherzigkeit.
Ich will mich ihr überlassen.
Sie ist warm, sie ist nah, sie ist
Hingehen –
Auftreten –
Reden – Worte des Lebens.
Nicht Traum ist es, nicht Zerfall
oder Aufprall von Gedanken.
Worte des Lebens sind Raum,
aufgebrochen in mir – für mich –
und durch mich den andern.
HERR, HIER BIN ICH. SENDE DEN ENGEL.

 
 

Seite 47:
 

Vor Dir
 

Mitten im Lärm der Freude,
mitten im Lärm der Lieder
bleibt es still.
Mein Gebet ist nur mein wortloses Dasein
vor Dir.
Ein angstvolles Warten –
ein angstloses Warten,
beides umfasst von einem Wort,
das „Du“ sagt –
leise und unüberhörbar.

 
 

Seite 77:
 

Mein Lied
 

Mein Lied, Herr,
wird am Morgen
seine Musik um Dich legen
wie ein Gewand.
Mein Lied wird Dich berühren
in der Hitze des Tages
wie ein Wind.
Mein Lied
wird in den Sternen der Nacht singen,
wenn das Schweigen Deiner Augen
den meinen begegnet.
Wenn meine Stimme
In diesem Leben verstummt,
wird mein Lied
in Deinem ewig lebendigen Herzen
wohnen.

 
 

Dieser Text wurde von der Sängerin Lydia Zborschil vertont und ist auf der CD „Zwiesprache“ erschienen.

 
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© Christamaria Schröter
Christusbruderschaft Selbitz
— Buch- & Kunstverlag —
 
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